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Arabischer Frühling

Vortrag zu den Revolutionen in der arabischen Welt
mit Thomas von der Osten-Sacken

16. Mai 2011, 19.30 Uhr im Schloss der Uni (Neuer Graben 29), Raum 212 (11/212)

Eine Veranstaltung des Referats für Internationales des AStAs der Uni Osnabrück
und der Initiative zur Förderung gesellschaftskritischer Inhalte

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Es gibt kein Aussen mehr – Thesen zu anarchistischem Antietatismus und marxistischer Staatskritik

Vortrag und Diskussion mit Alexander Neupert

Mittwoch, 16.3.2011, 20 Uhr, Schwarze Katze (Fettstraße 23, Hamburg)

In Zeiten der Krise feiert die bürgerliche Gesellschaft eine vermeintli-che Auferstehung des Staates als Retter aus der Not – Linke, Liberaleund Konservative frönen gebetsmühlenartig ihrem Staatsfetisch. Da-gegen ist darauf zu beharren, dass Gewalt seit jeher den Kern jederstaatlichen Ordnung bildet. Der Übergang von den ständischen Ge-walten im Feudalismus zum modernen Gewaltmonopol ist historischgesehen die blutige Geburtsstunde des modernen Staates.

Dem Anarchismus ist anzurechnen dies gewusst und der Verklärungdes Staates zum Friedensstifter stetes energisch widersprochenzu haben. So heisst es bei Michail Bakunin: „Der Staat ist eine Abs-traktion, die das Leben des Volkes verschlingt – ein unermesslicherFriedhof, auf dem alle Lebenskräfte eines Landes grosszügig und an-dächtig sich haben hinschlachten lassen.“ Anzukreiden ist dem anar-chistischen Antietatismus zweierlei: Der Staat bleibt den AnarchistIn-nen eine fremde Macht, die dem an sich guten Volk (der Gesellschaft,der Klasse) äusserlich entgegensteht. Die Beteilung der Menschenan der kapitalistischen Tauschgesellschaft und ihre Verstrickung imStaat, sowohl als unbewusste Partizipation als auch als begeisterterPatriotismus, wird dadurch zum blinden Fleck.

Der Fortgang des Staates in der Geschichte, von der reinen Gewalt desKlassenstaates über den Rechts- und Nationalstaat bishin zum Sozial-staat, scheint die anarchistischen Theorien des 19. Jahrhunderts ab-gehängt zu haben. Bittere Ironie der Geschichte, dass es in der erstenHälfte der 20. Jahrhunderts dem Marxisten Eugen Paschukanis zufiel,die entscheidende Frage zu formulieren: „Warum bleibt die Klassen-herrschaft nicht das, was sie ist, das heißt die faktische Unterwer-fung eines Teils der Bevölkerung unter die andere? Warum nimmt siedie Form einer offiziellen staatlichen Herrschaft an?“

Die ausstehende Revolution gegen Staat und Kapital sieht sich nachwie vor mit der bestehenden Staatsgewalt konfrontiert, einzuge-stehen und einzusehen wären jedoch vor allem die Integrationsleis-tungen, die Rechtsstaat und Eigentum, Nationalstaat und Ideologie,Sozialstaat und Politik täglich hinter dem Rücken der Leute, durchihre Köpfe wie Handlungen hindurch vollbringen. Die Revolte dagegenläuft daher immer Gefahr vom Schlimmen ins Schlimmere oder ins Schlimmste zu verfallen, wie der russische Staatssozialismus und derdeutsche Nationalsozialismus gezeigt haben.

Die Kritik der Integration kann als Ausgangspunkt keinen festen Ort haben, keine äussere Bastion, kein natürliches Bedürfnis, kein unter-drücktes Volk und keine revolutionäre Klasse, sondern nur den vonKarl Marx formulierten Aufruf an die „Individuen (…), den Staat zustürzen, um ihre Persönlichkeit durchzusetzen.“Darüber wird zu reden sein.

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Kritik der unvernünftigen Vernunft

Vortrag und Diskussion mit Dr. Alfred Flacke

Mittwoch, 7.7.2010, 18 Uhr, Café Mano Negra (Alte Münze 12)

Weitere Infos unter Vorträge
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„Das Ganze ist das Unwahre.“

Was ist Wahrheit?

Vortrag und Diskussion mit Manfred Dahlmann

Freitag, 9. Juli, 19 Uhr

Ort: Kreishaus, Neuer Graben 40; 41/111, Raum 111

Um die Frage, »Was ist Wahrheit?«, zu beantworten, ist es hilfreich, sich zunächst eine andere Frage zu stellen. Denn die Frage, »Was ist Philosophie?«, gibt dem Problem der Wahrheit erst die Grundlage zu deren Antwort. Mit dieser Umformulierung wird eine zentrale Differenz zu gängigen Vorstellungen von Wahrheit benannt: Nicht die Wissenschaft, nicht der Wissenschaftler fragen nach Wahrheit: sie interessieren sich allein für die Bedingungen, die das Funktionieren eines gegebenen Zusammenhangs sicherstellen; für sie ist die praktische Verwertbarkeit entscheidend. Dahingegen sind die, die den gegebenen Funktionszusammenhang selbst thematisieren, die also nach einer Wahrheit fragen, die nicht empirisch zutage tritt, sondern die empirischen Tatsachen ihrer Möglichkeit nach erst bedingt, von vornherein als Philosophen definiert.

„Wahrheit ist objektiv und nicht plausibel.“ (Adorno, Negative Dialektik)

Ideologiekritik weist hingegen nach, dass die kapitalistische Gesellschaft so verfasst ist, dass das Erscheinende, dasjenige also, was von den Wissenschaften als Problem erfasst wird, das Resultat einer notwendigen Verkehrung der Wirklichkeit im allgemeinen Bewusstsein darstellt. Die materialistisch gestellte Frage nach der Wahrheit ist somit zu allererst die Frage nach der historischen Grundlage, aufgrund der diese Verkehrung möglich geworden ist.
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Manfred Dahlmann ist Mitarbeiter des ça ira Verlages und in der Initiative Sozialistisches Forum in Freiburg assoziiert. Er ist Mitherausgeber der Bücher »Geduld und Ironie. Johannes Agnoli zum 70. Geburtstag« (Freiburg 1995) und »Kritik der Politik. Johannes Agnoli zum 75. Geburtstag« (Freiburg 2000).

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Antisemitismus. Die negative Aufhebung der Dialektik der Aufklärung
Ein Seminar zu Horkheimers und Adornos Beantwortung der Frage:
„warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt“ (DdA, Vorrede, S.1)

Seminar mit Micha Böhme und Martin Dornis

Zeit: 19. und 20. Juni 2010, jeweils 12-18 Uhr
Ort: Alte Münze 12, Osnabrück

Weitere Infos siehe unter Gastvorträge!

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10.02.10: Die Rolle der Herrschaft in der Bürgerlichen Gesellschaft – Beitrag zum Seminar 2009/2010

Vortrag und Diskussion mit Dr. Alfred Flacke, am 10.2.2010 ab 20 Uhr im cafe mano negra (Alte Münze 12 in Osnabrück)

Die kritische Untersuchung traditioneller Gesellschafts-Modelle – Hobbes (Selbsterhaltung) und Hegel (Anerkennung) – ermöglicht einen erneuerten Herrschaftsbegriff und dieser ermöglicht einen neuen Blick auf die Mechanismen einer durch Herrschaft bestimmten Gesellschaft. Neuere Ergebnisse der Evolutions- und Neurobiologie bestätigen freie, solidarische Kooperation als Gattungsmerkmal der Menschen. In zivilisierten Gesellschaften wird die Gemeinschaft durch herrschaftliche Individuation zerstört, die lebensnotwendige Kooperation also gefährdet. Paradoxerweise muss Herrschaft sie deshalb zugleich sichern. Die Bürgerliche Gesellschaft der Neuzeit ist charakterisiert durch eine universale Ausdehnung von Herrschaft auf alle Lebensbereiche, die einhergeht mit einer wachsenden Tendenz zur Teilnahme des Individuums an ihr. Die zunehmende Dominanz des Individuums wird sichtbar in neuen Formen der Herrschaft, vor allem in kapitalistischer Lohnarbeit und (Natur)Wissenschaft. Bürgerliche Individuierung geschieht mittels inszenierter, Konkurrenzkampf produzierender Selbsterhaltung und in pseudoindividualisierender Ich-Inszenierung in der Produktion/Reproduktion der Gesellschaft.
Herrschaft wirkt in der Struktur der Gesellschaft und im Wahrnehmen, Denken und Handeln der durch sie strukturierten Individuen. Sie ist das zentrale Movens des bürgerlichen Sozialisierungs- und Individuierungsprozesses. Hegel beschreibt diesen als intersubjektive Anerkennung mit Kampf und Liebe, als Selbstbehauptung und Selbsthingabe, als zugleich wirkenden Komponenten. Erkenntnisse der psychoanalytischen Theorie frühkindlicher Erziehung veranschaulichen die Hegelsche Anerkennung als herrschaftsbestimmt; sie wird von Herrschaft gesteuert, in welcher der Wille zur Macht auf einen Willen zur Ohnmacht trifft. Sie legen auch nahe, Herrschaft als Perversion eines ursprünglich solidarischen Verhaltens zu verstehen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine solidarische, herrschaftslose, Gesellschaft als denkbare Alternative, welche individuelle Freiheit mit freier Kooperation verbindet und sozialen Frieden endlich demokratisch begründen kann.

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„Hör’ auf meinen Rat und sei gegen den Staat!“*
- Grundsätzliches zur Staatskritik
(*Rocko Schamoni, Showtime, 1999)

Vortrag und Diskussion mit Alexander Neupert, am 11.2.10 ab 20 Uhr im Substanz (Frankenstraße 25a in Osnabrück)

Für den Anarchisten Gustav Landauer war Staat nichts Anderes als „eine Art, wie die Menschen sich zueinander verhalten.“ In den Debatten der Linken hingegen erscheint der Staat einerseits als Wesen, das unterdrückt, verschwindet, wiederkehrt, abstirbt oder angebettelt werden kann, andererseits als Ding, das angewendet, erobert, übernommen oder zerstört wird. Im Vortrag soll gezeigt werden, wieso alle 3 widersprüchlichen Perspektiven zusammen gedacht werden müssen, wenn die historische Endlichkeit des Staates nicht bloß theoretisch richtig, sondern praktisch wahr sein soll.