Die Rolle der Herrschaft in der Bürgerlichen Gesellschaft – Beitrag zum Seminar 2009/2010

Vortrag und Diskussion mit Dr. Alfred Flacke

Die kritische Untersuchung traditioneller Gesellschafts-Modelle – Hobbes (Selbsterhaltung) und Hegel (Anerkennung) – ermöglicht einen erneuerten Herrschaftsbegriff und dieser ermöglicht einen neuen Blick auf die Mechanismen einer durch Herrschaft bestimmten
Gesellschaft. Neuere Ergebnisse der Evolutions- und Neurobiologie bestätigen freie, solidarische Kooperation als Gattungsmerkmal der Menschen. In zivilisierten Gesellschaften wird die Gemeinschaft durch herrschaftliche Individuation zerstört, die lebensnotwendige Kooperation also gefährdet. Paradoxerweise muss Herrschaft sie deshalb zugleich sichern. Die Bürgerliche Gesellschaft der Neuzeit ist charakterisiert durch eine universale Ausdehnung von Herrschaft auf alle Lebensbereiche, die einhergeht mit einer wachsenden Tendenz zur Teilnahme des Individuums an ihr. Die zunehmende Dominanz des Individuums wird sichtbar in neuen Formen der Herrschaft, vor allem in kapitalistischer Lohnarbeit und (Natur)Wissenschaft. Bürgerliche Individuierung geschieht mittels inszenierter, Konkurrenzkampf produzierender Selbsterhaltung und in pseudoindividualisierender Ich-Inszenierung in der Produktion/Reproduktion der Gesellschaft.
Herrschaft wirkt in der Struktur der Gesellschaft und im Wahrnehmen, Denken und Handeln der durch sie strukturierten Individuen. Sie ist das zentrale Movens des bürgerlichen Sozialisierungs- und Individuierungsprozesses. Hegel beschreibt diesen als intersubjektive Anerkennung mit Kampf und Liebe, als Selbstbehauptung und Selbsthingabe, als zugleich wirkenden Komponenten. Erkenntnisse der psychoanalytischen Theorie frühkindlicher Erziehung veranschaulichen die Hegelsche Anerkennung als herrschaftsbestimmt; sie wird von Herrschaft gesteuert, in welcher der Wille zur Macht auf einen Willen zur Ohnmacht trifft. Sie legen auch nahe, Herrschaft als Perversion eines ursprünglich solidarischen Verhaltens zu verstehen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine solidarische, herrschaftslose, Gesellschaft als denkbare Alternative, welche individuelle Freiheit mit freier Kooperation verbindet und sozialen Frieden endlich demokratisch begründen kann.

Freud als Aufklärer und Schriftsteller – Anleitung zur Lektüre (Beitrag zum Seminar 2009)

Vortrag und Diskussion mit Dr. Christian Lavagno

Dass die Psychoanalyse nicht nur ein Verfahren zur Heilung psychischer Krankheiten ist, sondern darüber hinaus ein erhebliches gesellschaftskritisches Potential birgt, ist früh erkannt worden. So haben etwa die Vertreter der Kritischen Theorie von Anfang an versucht, Freud und Marx miteinander zu verbinden. Der Vortrag versucht, im Dschungel der Schriften Freuds einige Orientierungspfeiler aufzustellen, um so Anleitung (und Anregung) zur Lektüre zu geben. Zwei Motive dienen dabei als Leitfaden: a) Freud als Aufklärer, dem es wesentlich darum geht, Licht in dunkle Zonen unserer (individuellen und kollektiven) Existenz zu bringen, und b) Freud als Schriftsteller, dessen Sachtexte eine nicht zu unterschätzende narrative Komponente enthalten.

Erlösung der Vergangenheit (Beitrag zum Seminar 2008/2009)

Vortrag und Diskussion mit Dr. Christian Lavagno

Zum Zeitverständnis in den geschichtsphilosophischen Thesen Walter Benjamins

Elemente der politischen Philosophie Hegels (Beitrag zum Seminar 2008)

Vortrag und Diskussion mit Dr. Christian Lavagno

Hegel entfaltet seine Reflexionen zu Staat und Gesellschaft in einem Koordinatensystem, an dem sich später – wenngleich unter rabiat veränderten Vorzeichen – auch Marx noch orientieren wird. Der Vortrag stellt die wichtigsten Dimensionen dieses Koordinatensystems vor und versucht zu zeigen, dass Hegel einen Unterbau für die Analyse der bürgerlichen Gesellschaft geschaffen hat, der in vielen Punkten immer noch bemerkenswert ist. Die These lautet, dass es lohnt, an diesem Gerüst weiter zu arbeiten – trotz einiger idealisierender Aussagen Hegels über den preußischen Staat seiner Zeit.

Zu den Grundsätzen kantscher Metaphysikkritik…(Beitrag zum Seminar 2007/2008)
… von d. metaphysischen Schulphilosophie Leibniz-Wolffscher Prägung, hin zur mathematischen Naturphilosophie Newtons.

Gastvortrag von Florian Gravemeyer

Welchen vermittelnden Denkweg schlägt Kant vor und warum verortet man in dieser neuartigen Methodologie den Beginn des neuzeitlichen Wissenschaftsverständnisses? Grundbegriffe der Terminologie sollen dabei genauso geklärt werden, wie die erkenntnistheoretische Dimension des Werkes.

Hegels Geschichtsbegriff (Beitrag zum Seminar 2007)

Einführungsvortrag von Dr. Christian Lavagno

Der Auftakt zum diesjährigen Autoseminar wird ein Vortrag von Christian Lavagno (Philosoph aus Bremen, der in Osnabrück lehrt) zu Hegels Geschichtsphilosophie sein. Er kann als Einstieg und als Grundlage weiterer Sitzungen gesehen werden.